Das erste österreichische Klimacamp ist Geschichte – und zwar eine erfolgreiche. Die Klimagerechtigkeitsbewegung ist endgültig in Österreich angekommen und hat von 29. September bis 2. Oktober 2016 ihre Zelte in Enzersdorf an der Fischa aufgeschlagen, wo Austausch, Workshops und ein Aktionstag gegen den Ausbau des Wiener Flughafens, aber auch Musik und großartiges Essen am Programm standen.

Der Pressespiegel zum Aktionstag findet sich hier. Sämtliche Fotos sind auf unserem Flicker-Account.

Klimacamp 2016: Tag 1
Ausgehend von Großbritannien haben sich Klimacamps in den letzten zehn Jahren weltweit verbreitet. Sie sind nicht nur Orte der Begegnung für die weltweite Klimagerechtigkeitsbewegung, sondern meist auch Ausgangspunkt für Aktionen gegen klimaschädliche Infrastruktur und Projekte. Neue Maßstäbe setzte erst im Mai dieses Jahres „Ende Gelände“ in der deutschen Lausitz mit etwa 4.000 Teilnehmer*innen. Auch wenn das erste Camp von System Change, not Climate Change! nicht ganz diese Größe erreichte – in vielen Bereichen konnte es mit den großen Vorbildern mithalten.

 

Buntes Rahmenprogramm

Knapp hundert Menschen aus mehreren Ländern durften vier Tage lang ein abwechslungsreiches Camp erleben und mitgestalten. In 15 Workshops erfuhren die Teilnehmenden vom wissenschaftlichen Stand des Klimawandels, erarbeiteten Strategien für einen Wandel hin zu einer zukunftsfähigen Mobilität oder verbogen sich beim Yoga. Unter anderem sprach Clive Spash über die Herausforderung einer sozial-ökologischen Transformation vor dem Hintergrund des Klimawandels. Währenddessen wurden Transparente bemalt, Flashmobs entwickelt, der Info-Stand betreut und Essen geschnipselt.

Ein Schwerpunkt wurde im Camp-Programm auf Mobilität und Flugverkehr gelegt – ganz im Sinne des Aktionstages, an dem gegen den Ausbau des Wiener Flughafens und Greenwashing der Flugindustrie protestiert wurde.
Klimacamp 2016: Tag 2
Perfekte Infrastruktur

Versorgt wurden die Camp- Bewohner*innen und Besuchende von der großartigen Volxküche „Minimal.is.muss“. Am abwechslungsreichen Menü standen biologische, vegane und teilweise gerettete Köstlichkeiten und sogar selbstgemachter Saft für die Stärkung am Aktionstag: „Activist Jet Fuel“. Die Wochen zuvor war das Küchenteam auf Bio-Feldern nachernten gegangen, hatte vergessene Apfelbäume geerntet und Supermärkten nicht mehr verkaufbare Lebensmittel abgenommen.

Auch die restliche Infrastruktur funktionierte einwandfrei und ließ nichts zu wünschen übrig: von den Umweltfreundlichen selbstgebauten Kompostklos und Duschen über Info- und Workshopzelte bis hin zum mobilen Solarkollektor, der das Camp mit Sonnenstrom versorgte.

Aktionstag 1. Oktober 2016

Hunderte protestieren gegen die dritte Piste

„Stopp 3. Piste“ lautete das Motto des großen Aktionstages am 1. Oktober, der um 10:30 Uhr am Wiener Karlsplatz begann. Von dort machten sich etwa 200 Menschen – viele davon schon vorher vom Klimacamp angereist – mit Rädern auf den 20 Kilomater langen Weg zum Flughafen. Musikalisch begleitet wurde die Fahrraddemo von der zweiköpfigen Band The Milkyway of Jazz in Pinguinkostümen, die ein Klavier (geliehen vom Projekt Open Piano for Refugees) und Saxophon auf einer fahrbaren Plattform bedienten. Gezogen wurde die mobile Band von einem Drei-Personen-Tandem mit topfitten Radler*innen von Cycle for Change. An der Kundgebung am Flughafen selbst nahmen etwa 400 Menschen teil, die damit ein starkes Zeichen gegen die dritte Piste setzten. Auch die Solidarität mit Mitstreiter*innen in anderen Ländern wurde ausgedrückt.

Besonderes Aufsehen am Flughafen erregten ein Flashmob in der Abflughalle und ein breakdancender Eisbär.

Flashmob im Flughafen

Musik – lauter als die Flugzeuge

Im Anschluss an die Demonstration machte sich ein großer Teil der Teilnehmer*innen auf den Rückweg zum Camp, wo der erfolgreiche Tag gefeiert wurde. Während des gesamten Camps machte sich die Nähe des Camps zum Flughafen lautstark bemerkbar. Doch die Bands „Georg Kostron und sein Manager“ und Maja sowie eine Reggae-Combo übertönten die Flieger bis spät in die Nacht. Die Bands machten praktisch Licht zu Musik – schließlich spielten sie mit Strom aus dem campeigenen mobilen Solarkollektor.

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Unterstützung von vielen Seiten

Organisiert wurde das Camp von den Wiener und Grazer Regionalgruppen von System Change, die im Frühjahr mit der Planung begannen. Der Großteil des Organisationsaufwandes wurde seit Anfang September von engagierten Aktivist*innen getragen – ihnen gebührt ein großes Dankeschön für ihre Arbeit und ihren Einsatz in den letzten Wochen. Denn es gab auch Widerstände: Unter anderem musste eine Woche vor Camp-Beginn ein Ersatz für das eigentlich schon fixierte Gelände organisiert werden – die Polizei hatte System Change, not Climate Change! gegenüber dem Besitzer der Fläche in ein falsches Licht gerückt und Angst geschürt. Wir verurteilen diese inakzeptable Intervention. Die beste Antwort auf eine solche Repression war der friedliche Charakter der Veranstaltung ohne jeden negativen Zwischenfall.

Das Klimacamp in dieser Form wäre ohne die Mithilfe von befreundeten Menschen, Gruppen und Organisationen nicht möglich gewesen. Wir bedanken uns bei ihnen für die Hilfe und das bereitgestellte Material sowie die Infrastruktur!

Das Fazit: Abgesehen von einer Handvoll überarbeiteter Aktivist*innen, die sich nun ein Woche Karibikurlaub gönnen müssen (der Flieger in Schwechat geht in zwei Stunden) war unser erstes Klimacamp ein voller Erfolg! Es sieht so aus, als werde es nicht bei diesem ersten bleiben…

Klimacamp 2016: Tag 4