2. 11. 2017

Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist auf einem Rekordhoch und die bisher geplanten Maßnahmen der Staaten sind völlig unzureichend, um den Ausstoß von Treibhausgasen erfolgreich zu drosseln. Das stellen der Treibhausgasbericht der Weltwetterorganisation (WMO) und der „Emissions Gap“-Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) fest, die diese Woche veröffentlicht wurden. Beide Berichte bilden die Grundlage für den vom 6. bis 17. November in Bonn stattfindenden UN-Klimagipfel. Wie schon in den Jahren zuvor zeigen sie, dass viel zu wenig passiert und wir, wenn es so weiter geht, das 2°C Ziel, welches laut dem Paris-Abkommen von 2015 deutlich unterschritten werden sollte, weit verfehlen werden.

Laut WMO ist es bereits jetzt 1,2°C wärmer als vor der Industrialisierung. Die Treibhausgaskonzentrationen sind die höchsten der letzten 800.000 Jahre (so weit zurück kann man sie exakt in Eisbohrkernen nachvollziehen), vermutlich sogar der letzten 3-5 Millionen Jahre. Die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre ist von 278 ppm vor der Industrialisierung im Jahr 1750 auf 403 ppm im Jahr 2016 gestiegen, der Wert von Methan (CH4) von 722 ppb auf 1853 ppb und der von Lachgas (N2O) von 270 ppb auf 329 ppb. Das ist der mit Abstand rasanteste Anstieg der Konzentrationen dieser Treibhausgase, die wir aus der Erdgeschichte kennen, 100-fach schneller als der Anstieg nach der letzten Eiszeit.

Alleine zwischen 2015 und 2016 ist die CO2-Konzentration um 3,3 ppm angestiegen, der schnellste Anstieg innerhalb eines Jahres, der je aufgezeichnet wurde. Das liegt unter anderem daran, dass 2015/2016 ein sehr starkes El Niño-Ereignis war (verstärkt durch den Klimawandel selbst), wodurch unter anderem die besonders warmen Ozeane weniger CO2 aufnehmen können. Hauptursache für den anhaltenden Anstieg ist jedoch die nach wie vor auf Rekordniveau liegende Treibhausgas-Emission. Diese ist zwar seit 2014 mehr oder weniger stabil, aber die notwendige drastische Abnahme der Emissionen findet nicht statt und könnte, wenn beispielsweise die angekündigten Kohlekraftwerke gebaut würden, schnell wieder zunehmen.

80-90% der weltweiten Kohlereserven müssten im Boden bleiben. Bleiben die Emissionen gleich, dürfen nur noch 10 Monate lang Treibhausgase emittiert werden, um das 1,5°C-Ziel mit mittlerer Wahrscheinlichkeit zu erreichen, danach müsste die Emission gleich null sein. Für das 2°C-Ziel bleiben uns noch etwa 18 Jahre. Selbst, wenn alle derzeitigen Klimaschutzversprechungen der Politik umgesetzt würden, wäre der CO2-Ausstoß sowohl für das 1,5°C-Ziel als auch für das 2°C-Ziel deutlich zu hoch.

Laut dem UNEP-Bericht wird die Temperatur auch bei Einhaltung der derzeitigen Klimaschutzziele bis 2100 über drei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau steigen. Es klafft eine große Lücke zwischen dem, was passieren müsste und dem was geplant ist. Bei der derzeitigen Entwicklung werden selbst diese Pläne weit verfehlt.

Es gibt keine Anzeichen dafür, dass der Klimagipfel in Bonn (COP23) daran etwas ändern könnte. Es gibt keinen politischen Willen dafür, geschweige denn die richtigen Ansätze. Weniger als 40 km entfernt vom Gipfel wird währenddessen weiter Braunkohle abgebaut und verfeuert werden. Klimaschutz wird weiter zu lukrativen Geschäftsmodellen reduziert, die nicht schützen, sondern Missstände weiter vertiefen. Wie schon so oft in der Vergangenheit, müssen die notwendigen Veränderungen von der Zivilgesellschaft erkämpft werden. Rund um den Gipfel wird es Proteste geben. System Change, not Climate Change! wird vor Ort sein. Auch in Wien gehen wir auf die Straße, um die Politik in Österreich mit zur Verantwortung zu ziehen. Komm am 11. November zur Demonstration „Klima schützen – Leben retten“!

Mind the Gap: Es bleiben nur 10 Monate
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