Wien, 20. 02. 2017 – Am Montagmorgen versammelten sich Aktivist*innen der Klimabewegung „System Change, not Climate Change!“ (SCnCC) vor der Verbund-Zentrale in der Wiener Innenstadt, um gegen den Wieder-Einstieg des Verbund in das Grazer Murkraftwerk zu protestieren. Unter dem Motto: „Dem Grazer Murkraftwerk fühl‘ ich mich nicht VERBUNDen!“, machten sie öffentlich darauf aufmerksam, dass diese Entscheidung das falsche Signal aussendet und riefen zum Stromanbieterwechsel auf.
Energiepolitisch und finanziell katastrophal
„Aus energiepolitischer Sicht ist das Bauvorhaben eine glatte Fehlentscheidung, da mit gleich hohen Investitionen in alternative Maßnahmen viel mehr Energie eingespart werden könnte als das Kraftwerk in Graz produzieren würde. Dazu zählen etwa großflächige Gebäudesanierungen, Energieberatungen, energieeffiziente Geräte und die Installation von Photovoltaik-Anlagen. All diese Alternativen hätten den Vorteil, dass dafür keine Bäume gerodet und dadurch keine geschützten Tierarten bedroht würden und auch die Feinstaubbelastung nicht zunehmen würde, so Martin Mayr vor der Verbund-Zentrale.
Auch in finanzieller Hinsicht droht ein Desaster: Letzten März erst zog der Verbund seine Beteiligung von 50 Prozent am umstrittenen Vorhaben aus wirtschaftlichen Gründen zurück. Eine Studie zeigt, dass – auch nach optimistischen Szenarien – noch in 50 Jahren mit Schulden in der Höhe von 44,7 Millionen zu rechnen ist. Nachdem die Rodungen am 6. Februar 2017 ohne geklärte Finanzierung gestartet wurden, erklärte nun der Verbund Ende letzter Woche seinen Wiedereinstieg, diesmal nur einer 12,5-prozentigen Beteiligung. Während die Bauarbeiten und Rodungen trotz heftigem lokalen Widerstand und Protesten fortgesetzt werden, ist die Finanzierung des Kraftwerks noch immer nicht vollständig geklärt.
Aufruf dem Verbund die Unterstützung zu kündigen
„Wir treten vehement für erneuerbare Energien ein, dennoch lehnen wir dieses Bauprojekt ab, das ökologische, ökonomische und demokratiepolitische rote Linien überschreitet“, erklärt Frederik Zwiestein. der bei SCnCC aktiv ist. „Wer die unwirtschaftliche Investition ins Grazer Murkraftwerk nicht mit seinem eignen Geld mitfinanzieren will, sollte sich dringend überlegen einen anderen Stromanbieter als Verbund zu wählen“, rät Mira Kapfinger, Aktivistin bei SCnCC in Wien. Die Initiative „Stromwechsel jetzt“ ruft alle, die den Widerstand gegen das unrechtmäßige Bauprojekt unterstützen wollen, auf, einen Blick auf ihre Stromrechnung zu werfen. „Falls dort das Verbund-Logo aufleuchtet, können Stromkund*innen mit einem einfachen Stromanbieterwechsel ein Zeichen setzen – und obendrein in den meisten Fällen auch Geld sparen!“, so Kapfinger weiter. „Empfohlen werden selbstverständlich nur Ökostromanbieter, die umweltverträglich wirtschaften. Der Verbund liefert – im Gegensatz zu seiner Werbung – keinesfalls nur saubere Wasserkraft. Er produziert immer noch schmutzigen Kohlestrom Mellach und beteiligt sich an unökologischen Projekten wie dem Murkraftwerk in Graz“.
Murkraftwerk: Protest gegen Verbund-Beteiligung