Vision: Mobilität der Zukunft

Öffentlicher und klimagerechter Verkehr

Wir benötigen umweltschonende und leistbare Mobilität. Dazu gehören ein gut ausgebauter und attraktiver öffentlicher Verkehr und eine Verlagerung der großen Anzahl an Kurz- und Mittelstreckenflüge auf die Bahn. Genauso wichtig ist es, unsere heutigen Vorstellungen von scheinbar notwendiger und wünschenswerter Mobilität zu hinterfragen: So lassen sich z.B. meist ohnehin mühsame Geschäftsreisen durch Videokonferenzen, und beschleunigter Tourismus durch langsames Reisen bzw. durch das Entdecken näherer Urlaubsziele ersetzen.

Förderung von Bahn- statt Flugverkehr

Individuelle Änderungen des Lebensstils allein reichen nicht aus – und lassen sich ohne veränderte Rahmenbedingungen, also Gesetze oder Infrastrukturen, oft gar nicht umsetzen. So dürfen beispielsweise nicht die umweltschädlichsten Transportformen weiterhin am billigsten sein. Insbesondere muss die Subventionierung des Flugverkehrs ein Ende haben: Der österreichische Staat und somit wir Steuerzahler*innen schenken laut österreichischem Wirtschaftsinstitut WIFO dem Flugsektor € 500 Millionen jährlich: Flughäfen sind grundsteuerbefreit, auf internationale Flugtickets entfällt keine Mehrwertsteuert. Am meisten fällt jedoch ins Gewicht, dass Kerosin im Gegensatz zu Benzin, Diesel oder Heizöl nicht besteuert ist. Die vielfältigen Steuerbefreiungen und die erst kürzlich beschlossene Halbierung der Flugticketabgabe müssen aufgehoben werden (s. auch Forderungen des VCÖ).

Nutzen statt Besitzen

Der private Autoverkehr, der in einer Stadt sehr viel Platz für Straßen und Parkplätze einnimmt, sollte vermehrt durch die U-Bahn, Straßenbahn, Busse, Fahrräder und Lastenräder ersetzt werden. Heute bleiben PKWs im Privatbesitz im Durchschnitt 23 Stunden am Tag ungenutzt. Konzepte, die das Nutzen dem Besitzen vorziehen, haben in letzter Zeit an Beliebtheit gewonnen. Beispiele sind Carsharing, Mitfahrzentralen oder Lastenrad-Kollektive.

In ländlichen Regionen ist ein autofreies Leben schwerer vorstellbar, doch auch hier gibt es Möglichkeiten: der Ausbau öffentlichen Verkehrs für häufiger genutzte Strecken, Fahrgemeinschaften und „Dorfautos“ bis hin zu Ruftaxis zum Nahverkehrstarif, eventuell in Kombination mit (Elektro-)Fahrrädern.

Zukunftsfähige Arbeitsplätze

Damit der Rückbau klimaschädlicher Wirtschaftssektoren wie des Flugverkehrs und der Autoindustrie möglich wird, braucht es neue Visionen guter Arbeit. Arbeitsplätze sollen nicht um ihrer selbst willen erhalten werden, sondern zukunftsfähige und umweltfreundliche Bereiche müssen ausgebaut, Arbeitszeiten verkürzt und Arbeit neu verteilt werden. So könnten Arbeitsplätze der Flug- und Autoindustrie beispielsweise in lokale Car-Sharing-Initiativen, in öffentlichen Verkehr wie die Bahn, in den Sektor erneuerbarer Energien oder in eine ökologische Landwirtschaft umgelagert werden. Dies ist notwendig, auch um Ängsten vor Jobverlust und Perspektivlosigkeit vorzubeugen.

Regionale Wirtschaftskreisläufe

Immer mehr Güter werden weltweit mit Flugzeugen transportiert. Der Warentransport sollte wieder vorwiegend auf umweltschonendere Transportmittel verlagert und der globale Handel auf das Notwendigste eingeschränkt werden. Es braucht eine Wirtschaft der kurzen Wege. Um das zu erreichen, treten wir für die Förderung einer möglichst lokalen Erzeugung, Verteilung und Konsumption von Produkten und Dienstleistungen ein, welche sich an den Grundbedürfnissen der Menschen orientieren.

Globale Verantwortung und Klimagerechtigkeit

Obwohl weniger als 10 % der Weltbevölkerung fliegen, sind die Auswirkungen des Klimawandels für alle spürbar – und treffen ungerechterweise hauptsächlich Menschen im Globalen Süden, die meist gar nicht fliegen. Der ressourcenintensive Lebensstil einer wachsenden Mittel- und Oberschicht darf nicht weiter zu Lasten derer gehen, die am meisten unter unter den ökologischen und ökonomischen Folgen des Raubbaus an der Natur und des Klimawandels leiden, jedoch bisher am wenigsten dazu beigetragen haben.

Die deutliche Reduktion von Treibhausgasemissionen muss in Österreich selbst vorgenommen werden, und nicht über Ausgleichsmechanismen (Offsets, Emissionshandel) und fragwürdige und ineffektive Projekte an den globalen Süden ausgelagert werden.

Siehe das Positionspapier gegen die 3. Piste und für eine zukunftsfähige Mobilität.
Unterschreibt die Petition auf der Info-Seite www.drittepiste.org