Wir waren in Bonn

Das Ziel war diesmal anlässlich der Klimakonferenz Bonn.
Ein Ziel. Eine Hoffnung. Ein Protest. Mit Menschen aus ganz Europa.

Am Freitagmorgen zunächst, bei meiner Ankunft, konnte ich einen lebendigen Protest eher erahnen: ein buntes Zirkuszelt auf einer Wiese am Rheinufer, noch halb verhüllt vom Nebel; kaum jemand zu sehen. Ein ungewöhnlicher Ort zwischen der Skyline von Bonn, dem Rhein und einer bürgerlichen Wohnsiedlung. Mir ging durch den Kopf: Klimaproteste – eine Parallelwelt? Oder endlich inmitten der Gesellschaft angekommen?

Am Sonntag beginnt für uns der Tag um 5:30 Uhr. Von unseren über ganz Bonn verteilten Unterkünften (Gemeindehäuser, Turnhallen…) aus fluten wir den Bonner Hauptbahnhof, sodass es sogar schon Durchsagen zu dem „hohen Reiseaufkommen“ gibt.

Von da aus geht es nach Buir, wo sich die ganzen einzelnen Menschengruppen in 4500 Demonstranten in weißen Staubanzügen verwandeln. In einem Demozug in Richtung Tagebau Hambach wird um Sprüche gewetteifert. Unsere Botschaft: Climate Justice! Now! Dies geht nur, wenn es für die Tagebaue und Kohlekraftwerke in Deutschland Ende Gelände heißt.

Auf unserem Weg begegnen wir dankbaren Anwohner*innen, aber auch Schildern nahe verlassenen Häusern, die Werbung für einen Umzug in eine Neubausiedlung machen. Von diesen Häusern geht eine gespenstische Stille aus, in der man die Verzweiflung und Resignation der Menschen spüren kann.

Unser Demozug teilt sich auf: ein Teil bleibt nahe der Abbruchkante, der Rest gelangt über verschiedene Wege in die Grube. Wir stehen der Polizei gegenüber, die uns an der Besetzung des Tagebaus hindern will. Doch gegen die Menschenmenge und diese Überzeugungskraft kommt sie nicht an.

Wir sind in der Grube, das Förderband wird soeben gestoppt und drei Bagger stehen still! Mein Blick fällt auf ein Banner von RWE: „Braunkohle – ein sicherer Partner der Energiewende“, was uns allen etwas ironisch vorkommt. Denn vor uns liegt eine kilometerweite braungraue Einöde. Gegen diese Verwüstung der Landschaft, diese sinnlose Ausbeutung der Erde, diese riesigen Bagger, stellen wir uns allein mit unseren Körpern entgegen.

Jemand hat eine Gitarre dabei, es wird gesungen und getanzt. Die Stimmung wechselt zwischen Bedrückung über das Ausmaß der Zerstörung hin zu ungebrochenem Optimismus mit so vielen Menschen etwas bewegen zu können. Wir trotzen dem peitschenden Regen; wir machen klar, dass wir bleiben.

Unsere Friedfertigkeit scheint die Polizei aber nicht zu beruhigen: sie setzt Pfefferspray und Schlagstock ein, kommt sogar auf Pferden angeritten und fährt an die 70 Polizeiwägen auf. Auch der Werkschutz bleibt nicht untätig und zäunt den Bagger mit Bauzäunen ein.

Nach einigen Stunden des Ausharrens, verlassen wir die Grube wieder. Wir haben mit unserer Aktion deutlich gemacht, dass wir solche Zerstörung nicht zulassen! Wir brauchen einen Ausstieg aus der Kohle, um die Ziele von Paris einhalten zu können.

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