Am vergangenen Freitag haben sich viele Menschen zusammengefunden, die sich solidarisch mit der Zone A Défendre gezeigt haben, wo gerade ein Jahrzehnte altes autonomes Gebiet von massiven Polizeiangriffen bedroht ist. Über die aktuelle Lage in der ZAD berichtete bereits vor einigen Tagen das Mosaik.

Für alle die am Freitag nicht dabei sein konnten, gibt es hier nochmal die Rede zum Nachlesen, die vor der französsichen Botschaft gehalten wurde:

 

Liebe Leute,

Während wir hier vor der Französischen Botschaft stehen, leisten viele Menschen auf der ZAD Widerstand gegen die staatlichen Represssion. Wir protestieren gegen die brutale Polizeigewalt
und Vertreibung der Bewohner_innen der ZAD in Frankreich, die seit 10 tagen stattfindet.

ZAD bedeutet Zone à Défendre: Die zu verteidigende Zone. In “Notre Dame des Landes” werden seit den 70er Jahren Bäuer_innen vertrieben, damit ein Flughafen gebaut werden kann. Um das Gelände zu schützen haben 2007 die ersten Menschen das Land besetzt. Sie nennen sich die Einwohner_innen, die sich wehren. Mittlerweile leben dort ein paar hundert Menschen. Sie wollen nicht nur den Bau des Flughafens verhindern, sondern auch die ganze Logik die dahinter steht:

Die Betonisierung der Welt und die Vermarktung des Lebens.

Wer braucht einen neuen Flughafen? Wer braucht eine ewig wachsende Wirtschaft?

In den letzten 50 Jahren haben sich verschiedene Formen des Widerstand zusammengefunden. Menschenketten, Blockaden, Barrikaden, Rechtsbeschwerden, Demonstrationen, Besetzungen, Info-touren und vieles mehr. Nach einem harten Kampf wurde das Flughafen-Projekt im Jänner 2018
aufgegeben. Infolge des Sieges haben verschiedene Verhandlungen angefangen. Der Wunsch der Aktivist_innen ist die
kollektive Nutzung des Geländes, um die landwirtschaftlichen, künstlerischen und diversen anderen Projekte dort weiter führen zu können. Aber damit ist nicht ein Ende der Repressionen in Sicht.

Der Staat will Ordnung schaffen und kann es nicht ertragen, dass eine Gruppe von Menschen anders leben will und fürchtet, dass seine Autorität in Gefahr ist.

In der Morgendämmerung am Montag, 9. April 2018, sind 2500 Sondereinsatzkräfte der Polizei auf das Gelände der ZAD marschiert. Die Medien berichten die Bewohner seien gefährliche und gewalttätige Individuen. Aber von welcher Seite kommt die Gewalt?

Es ist ein bürgerkriegsähnliches Szenario:

Räumpanzer, Drohnen, Hubschrauber, Blendgranaten und Tränengas.

Es gibt bereits mehr als 250 Verletzte auf der Seite der Zivilgesellschaft, davon mehrere schwerverletzt.

Wie weit ist die Regierung bereit zu gehen, um die Bewegung zum Schweigen zu bringen?

Wie viele Verletzte braucht es, um die kollektive Idee der ZAD zu zerstören?

Trotz der Gewalt und der Zerstörung: die ZAD beugt sich nicht. Was zerstört wird, wird wieder aufgebaut. Tausende Menschen kommen zusammen mit dem Willen die ZAD zu verteidigen. Sie verteidigen eine freien Raum zum Experimentieren, sie verteidigen die Vision einer anderen Zukunft, gemeinsam und solidarisch.

Wir machen uns sorgen, dass die Unterdrückung vom Staat weiter zunimmt.

Wenn die Bewohner_innen bis Dienstag, den 23. April die Forderungen nicht unterschreiben, soll das gesamte Gelände geräumt werden.

Wir fordern die Regierung Frankreichs auf sofort alle Angriffe auf die ZAD zu beenden.

Lasst uns solidarisch sein. Überall.

Gegen den Flughafen und seine Welt