26.6.2018

Das Arbeitszeitpaket der Bundesregierung höhlt nicht nur die Rechte der Arbeitnehmer_innen aus und kostet sie Geld, Gesundheit und Freizeit – es befeuert auch die Klimakrise.

Gegen den Initiativantrag der Regierungsparteien baut sich eine breite Widerstands-Bewegung auf. Der ÖGB ruft zu einer Großdemonstration am kommenden Samstag gegen den 12-Stunden Tag auf – und zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen haben sich dem Widerstand bereits angeschlossen. Auch „System Change, not Climate Change!“  wird sich an der Demo beteiligen und unterstützt den Aufruf. Denn die geplante Arbeitszeitverlängerung würde nicht nur Lohnverluste und weniger Freizeit bedeuten, sie wäre auch schädlich für die Gesundheit von Arbeitnehmer_innen – und für unser Klima.

Mit der Länge der Arbeitszeit steigt auch der ökologische Fußabdruck. Das liegt zum einen daran, dass durch längere Arbeitszeiten die gesamte Produktion der Wirtschaft steigt, also mehr Ressourcen verbraucht und auch mehr Emissionen ausgestoßen werden. Durch den neuen Gesetzesvorschlag könnten Chef_innen in Zukunft die Arbeitszeit ihrer Angestellten noch weiter ausdehnen. Schwarz-Blau hofft, dass dies die Konkurrenzfähigkeit erhöht und die Wirtschaft ankurbelt; die Belegschaft geht dabei allerdings leer aus. Wie schon bei der geplanten Staatszieländerung will die Regierung Wachstumszwang und Konkurrenzdruck mit allen Mitteln in allen gesellschaftlichen Bereichen verankern. Auf einem begrenzten Planeten kann dieser Weg aber nur in einer Sackgasse enden.

Fraglich ist auch, warum man längere Arbeitszeiten überhaupt braucht: Schaut man sich die Daten an, sinkt in Österreich das Arbeitsvolumen, weil die Arbeitsproduktivität steigt und das Wachstum in Europa seit der Finanzkrise stagniert. Deshalb gibt es auch immer mehr Teilzeitarbeit, genauso wie prekäre Beschäftigungsformen. Weitere Flexibilisierungen gießen Öl in das qualmende Feuer: Denn klimafreundliche Tätigkeiten brauchen oft einfach mehr Zeit. Wenn Arbeitszeiten (fast) beliebig ausgedehnt werden können, sind Angestellte immer öfter auf den klimaschädlichen Individualverkehr angewiesen, weil die Öffis schlicht nicht öfter fahren. Und viele umweltfreundliche Tätigkeiten sind gesünder, dauern aber auch länger: Mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren oder daheim kochen statt einen plastikverpackten Snack im Supermarkt zu kaufen. Wer nach zwölf Stunden Arbeit erschöpft aus der Firma schleicht, wird nicht mehr den Kopf dazu haben für den Abend und den nächsten Tag etwas zu kochen.

Statt Arbeit bis zum Umfallen brauchen wir mehr Zeit, um darüber diskutieren zu können, was Wohlstand für uns bedeutet und welche Arbeit überhaupt gut für Gesellschaft und Umwelt ist. Oft sind das genau jene Bereiche, die heute unbezahlt oder unterbezahlt sind und zum allergrößten Teil von Frauen erledigt werden. Nahversorgung und Daseinsvorsorge, Tätigkeiten, welche die Sorge um den Menschen in den Mittelpunkt stellen wie zum Beispiel Pflege- und Beziehungsarbeit. Im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen verursachen sie deutlich weniger Treibhausgase, erhalten die Strukturen, auf denen das gute Leben für alle aufgebaut werden kann und schaffen Beschäftigung für viele, ohne mit anderen Bereichen und Ländern in Konkurrenz zu treten zu müssen. Denn jedes Land braucht eine funktionierende Alltagsökonomie, die zu einem Grundpfeiler für eine sozial-ökologische Gesellschaft werden kann. Diese kann aber nur funktionieren, wenn die Arbeitszeit reduziert wird, die Rechte der Arbeitnehmer_innen geschützt und demokratische Gestaltungsspielräume ausgebaut werden. Auch Entspannung und Muße würden dann mehr Raum bekommen: Das würde nicht nur die Treibhausgase reduzieren – sondern auch das gesellschaftliche Klima wieder entspannen.

Wie uns der 12-Stunden-Tag das Klima vermiest
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