Dieses Jahr gestalten zum ersten mal verschiedene Bewegungen und Initiativen Teile des Klimacamps. Die Nyéléni-Bewegung, die Interventionistische Linke und die Bikekitchen Wien werden jeweils ein sogenanntes Barrio gestalten. Die sogenannten Barrios funktionieren wie Stadtteile des großen Klimacamps und bieten auch eigene Programmpunkte an.

Nyéléni BarrioBarrio der interventionistischen Linken Bikekitchen Barrio


Nyéléni goes Klimacamp

Gutes, gesundes und lokal angepasstes Essen für alle Menschen zugänglich zu machen ist die Vision der Bewegung für Ernährungssouveränität. Dieses scheinbar einfache Ziel ist eine riesige Herausforderung für unsere Gesellschaft: Millionen von Menschen leiden an Hunger und Mangelernährung und sind gezwungen, sich von ungesunden Nahrungsmitteln zu ernähren, die unter Ausbeutung von Menschen und Natur produziert werden.

Unser derzeitig global vernetztes, vielerorts industrialisiertes und viel zu sehr nach den Interessen einzelner großer Konzerne ausgerichtetes Lebensmittelsystem trägt massiv zum Klimawandel bei und beutet Menschen aus. Gleichzeitig ist es gerade die Landwirtschaft, die besonders früh und gravierend die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren bekommt. Wie unsere Nahrungsmittel von wem und unter welchen sozialen, politischen und ökologischen Bedingungen produziert und verteilt werden ist damit nicht weg zu denken aus der breiten Bewegung für eine gute, gerechte Umwelt- und Klimapolitik und vice versa!

Das Frühjahrtreffen des Nyéléni Austria Forums für Ernährungssouveränität wird dieses Jahr als Teil des Klimacamps stattfinden. Wir wollen uns an den vielen relevanten Schnittstellen mit anderen ökosozialen Bewegungen austauschen und verbinden:

Wir möchten dagegen aufstehen, dass unsere Umwelt zerstört wird und Menschen in anderen Teilen der Welt ihr Recht auf Nahrung und ein gutes Leben abgesprochen wird. Wir haben es satt, dass unsere bäuerliche Landwirtschaft von Marktzwängen unter Druck gesetzt wird und sich all jene Menschen, die im Einklang mit Mensch, Tier und Natur Lebensmittel erzeugen, kaum gegen Industrie und Konzerne behaupten können.

Ernährungssouveränität setzt den akuten Krisen unserer Zeit die Vision einer bäuerlichen, nachhaltigen und vielfältigen Landwirtschaft entgegen, in der diejenigen, die Lebensmittel produzieren, verarbeiten und verteilen, in den Fokus rücken und mitentscheiden, wie wir uns künftig ernähren werden. Dafür reisen wir aufs Klimacamp!

Mittwoch, 30.5., 16-18:00

How to start a Hofkollektiv
Workshop mit Erzählungen von einem neuen Hofkollektiv im Südburgenland, mit Diskussion und Erfahrungsaustausch.

Wie haben wir einen Hof gefunden und Direktkredite aufgestellt?
Was ist toll an Direktkrediten?
Wieso haben wir überhaupt Land gekauft, obwohl wir auch Besetzen gut finden?
Was ist toll an Solidarökonomie?

Alle Interessierten willkommen, wenn notwendig kann der Workshop auch auf Englisch stattfinden.

Von Anneke Engel

Donnerstag, 31.5., 10-12:00

Konzernmacht brechen – Menschen ermächtigen

Im August 2001 vertrieb die ugandische Armee mehr als 2.000 Menschen aus vier Dörfern, weil die Regierung deren Land an die Kaweri Kaffee-Plantage verpachtet hat. Kaweri ist eine Tochterfirma der Neumann Kaffee Gruppe in Hamburg. Bis heute wurden die Vertriebenen nicht entschädigt. Doch sie fordern ihre Rechte ein. Der Workshop zeigt anhand dieses Beispieles auf, wie Regierungen und Konzerne als Komplizen bei Menschenrechtsverletzungen agieren, welche Maßnahmen zivilgesellschaftliche Akteur*innen ergreifen um sich dagegen zu wehren und welche politischen Prozesse ihre Kämpfe unterstützen.

Von Carla Weinzierl und Melanie Ossberger

Donnerstag, 31.5., 16-18:00

Die Welt verändern lernen – Schritte zur Wandelgesellschaft
Dieser Workshop hat zum Ziel, die vielen Facetten der Wandelgesellschaft aufzuarbeiten.
Wandelgesellschaft meint jene AkteurInnen aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Verwaltung, Bildung, Forschung, Politik usw., die die derzeitige gesellschaftliche Organisation und Strukturen hinterfragen und Alternativen  für einen sozial-ökologischen Wandel vorschlagen, die Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit neu definieren; z.B. Klimagerechtigkeit oder Ernährungssouveränität. Unter dem Slogan „Die Welt verändern lernen“ entwickelt sich ein österreichweiter Prozess, die Rolle von Hochschulen neuzudenken: Dies betrifft Forschung & Bildung oder besser gesagt, das Lernen.
Es gibt eine kurze Einführung in den Prozess, der am 27.4. in einem Symposium mit Unterstützung von ÖH Bundesvertretung und ÖH Boku auf der Boku begann. Nach einer offenen Diskussion sollen Synnergien aus bestehenden Vernetzungsprozessen & Weiterbildungsangeboten (Seminaren, Camps, ….) diskutiert werden, und wie künftige Aktivitäten u.a. zum Thema Klimagerechtigkeit stärker gemeinsam in eine Richtung wirken können. Weitere Infos dazu folgen!

Von David Steinwender

Freitag, 1.6., 10-12:00

Food Literacy – Erfahrungsaustausch über Ernährungssouveränität im Alltag

Food Literacy ist die Idee der Wissensvermittlung, wie Ernährungssouveränität als politisches Projekt vermittelt werden kann und nicht als „Lifestyle-Frage“ für diejenigen, die es sich leisten können. Es geht darum, die politischen Zusammenhänge zu verstehen und Menschen aus ihrer konkreten Situation heraus handlungsfähig zu machen, ohne moralischen Zeigefinger und jenseits des Appells zu verantwortungsbewusstem Konsum oder gesunder Ernährung.
Im Rahnen des Workshops soll ein Erfahrungsaustausch über verschiedene Zugänge und Praxiserfahrungen gemacht werden und gemappt werden, wie gerade Menschen außerhalb der eigenen „Bubble“, des eigenen Dunstkreis bzw. die  übliche Klientel hinaus erreicht und ermächtigt werden kann.

Von David Steinwender

Freitag, 1.6., 16-18:00

Hof- und Dorfführung von Maria Vogt – Ernährungssouveränität und regionale Entwicklung vor Ort

(maximale TeilnehmerInnenzahl 25-30)

Das Klimacamp findet dieses Jahr auf der Weide des Biobauernhofs der Familie Vogt statt. Wir wollen die Chance nutzen und ganz konkret auf einer Hof-, Feld- und Dorfführung Fragen zu selbstbestimmter Lebensmittelproduktion und landwirtschaftlicher Entwicklung vor Ort, im Weinviertel, nachgehen. Der Rundgang wird auf verschiedenen Ebenen auf mehrere Schwerpunkte eingehen:

–          Raumordnung und regionale Entwicklungen in der LWS

–          Problembereiche wie Bodenverbrauch durch Industrie und Straßenbau, Klimaveränderung, Wachsen oder Weichen der Höfe, und Nitratbelastung des Grundwassers

–          dem gegenüber Lösungsansätze: Biohöfe, regionale Vermarktung, Energie aus Wind und Biomasse

Mit diesem Wissen möchten wir gemeinsam weitere Visionen und Ideen entwickeln, und auch Aktionen entwerfen für die Climate Games am Wochenende.

Von Maria Vogt

Samstag, 2.6.

Climate Games

Entwicklung und Durchführung von Climate Games Aktionen mit dem ganzen Klimacamp. Kleingruppentreffen aufbauend auf den Ideensammlungen der drei Tage zuvor.

 

 

Barrio der interventionistischen Linken

Von außen wird die Interventionistische Linke (IL) vor allem als ein Zusammenhang linksradikaler Gruppen und Aktivist_innen wahrgenommen, der die Fähigkeit zu mobilisieren und zu organisieren in überregionalen Kampagnen wie Dresden Nazifrei, Castor Schottern, Blockupy oder Ende Gelände unter Beweis gestellt hat. Wir sind bekannt dafür, auf die radikalisierende Wirkung von Widerständigkeit und Selbstermächtigung durch kollektiv organisierte ungehorsame Massenaktionen zu setzen.

Angetrieben und zusammengehalten wird das Projekt der Interventionistischen Linken jedoch von einer gemeinsamen strategischen Verabredung, die im namensgebenden Begriff der Intervention deutlich wird:
Wir wollen eine radikale Linke, die selbstbewusst und sprechfähig in politische Kämpfe eingreift und fähig ist, auch außerhalb ihrer Subkulturen, Kieze und Freiräume zu agieren. Wir wollen eine radikale Linke, die aktiv gegen Patriarchat, Rassismus und Kapitalismus insgesamt kämpft, die dabei immer wieder neue Allianzen sucht, die Brüche vertieft und Chancen ergreift, die lieber Fehler macht und aus ihnen lernt, anstatt sich im Zynismus der reinen Kritik zu verlieren. Wir wollen eine radikale Linke, die auf den revolutionären Bruch mit dem nationalen und dem globalen Kapitalismus, mit der Macht des bürgerlichen Staates und allen Formen von Unterdrückung, Entrechtung und Diskriminierung orientiert. Kurz: Wir wollen eine neue, radikale gesellschaftliche Linke, die um politische Hegemonie ringt und Gegenmacht organisiert.

Samstag, 2.6.

10-12:00

Rechtshilfe Workshop  Mehr Infos folgen

14-16:00

Digitale Selbstverteidigung: Verschlüsselte Kommunikation und Geräte verschlüsseln: mehr Infos folgen

16-18:00

Crashkurs: Kampagnenarbeit

Was für unterschiedliche Typen von Kampagnen gibt es? Was macht ein
gutes Ziel aus? Wie kann ich Stärken und Schwächen besser einschätzen?
Wie funktioniert Veränderung durch soziale Bewegungen überhaupt? Welche
Rollen gibt es in großen Bewegungen und welche haben wir darin?

Im Crashkurs für Kampagnenarbeit stellen wir Methoden und Modelle vor,
um große Veränderung in Schritten denken und umsetzen zu lernen. Die
Vorgestellten Methoden sind kein Garantie für den Erfolg in der
politischen Arbeit. Sie haben sich jedoch vielfach bewährt, um die
Chance auf Erfolg zu erhöhen und Frustrationen zu vermeiden.

Workshop in deutscher Sprache. Von und mit Sandra Stern und Rainer
Hackauf vom Bureau für Selbstorganisierung (www.selbstorganisierung.at)

Bikekitchen Barrio

Die bikekitchen ist eine Fahrrad- und Metallwerkstatt, ein Veranstaltungsraum, eine Küche, ein Netzwerk.

Sie ist ein Kollektiv von Aktivist*Innen mit sehr unterschiedlichen Handlungsräumen, für die das Fahrrad einen gemeinsamen politischen Fluchtpunkt darstellt.

Sie ist ein solidarischer Raum zur Selbsthilfe am Fahrrad. Sie ist ein Ort für den Austausch von Erfahrungen, Kompetenzen und defekten Fahrradteilen und damit gegen jede Form von Diskriminierung und Ausgrenzung.

Sie ist gegen Herrschaft und die Herrschaft des Autos. www.bikekitchen.net