26.11.2018

Fracking ist eine sehr umstrittene Methode der Erdgasförderung, die meist die Kontaminierung des Grundwassers sowie Erdbeben zur Folge hat. Für den Widerstand gegen Fracking in England waren die Ereignisse der letzten Monate ebenso dramatisch wie aufwühlend. Drei Aktivisten erhielten für ihre Proteste eine über einjährige Gefängnisstrafe, das Fracking und die Erdbeben begannen. Und doch scheint der Widerstand den längeren Atem zu haben.

 

5. Oktober: Das Unternehmen Cuadrilla will „fracken“

Am 5. Oktober, also am selben Tag, an dem der Rodungstopp im Hambacher Forst publik wurde, kündigte das Schiefergasunternehmen Cuadrilla an, dass es am Bohrstandort an der Preston New Road in der Grafschaft Lancashire mit seinen Fracking-Arbeiten beginnen würde. Sieben Jahre lang – seitdem Fracking in Großbritannien zum letzten Mal betrieben wurde – hatte das Netzwerk Reclaim the Power dafür gekämpft, dass es nicht soweit kommt.

Drei Aktivisten von Reclaim the Power waren seit Juli 2017, als sie friedlich gegen Fracking protestiert hatten, hinter Gittern. Reclaim the Power unterstützte die Mitstreiter in dieser Zeit rechtlich, medial und auch emotional und organisierte am 6. Oktober vor den Toren des Gefängnisses von Preston, wo sie untergebracht waren, eine Demonstration. 500 Menschen nahmen an diesen Protesten teil.

15. Oktober: Das Bohren beginnt

Mehr oder weniger parallel dazu, also unmittelbar nach Cuadrillas Ankündigung, mit dem Fracking zu beginnen, beantragten zwei Ortsansässige aus Lancashire eine einstweilige Verfügung gegen das Unternehmen, was den Fracking-Start um sieben Tage verzögerte. Cuadrilla klagte bei Gericht, jeder Tag, an dem sie nicht „fracken“ dürften, würde sie über 100.000 Euro kosten.

Die einstweilige Verfügung wurde daraufhin vom Gericht aufgehoben und so lud Cuadrilla zum für den 15. Oktober zum wiederholten Male Medienvertreter ein, ihren Bohrarbeiten der ersten Stunde einen Besuch abzustatten. Sie versuchen alles, um ihren Anteilseignern zu versichern, dass Fracking in Großbritannien politisch machbar ist. Eine Gruppe Reclaim the Power-Aktivist*innen stellte sich ihnen am jedoch mit einem Van in den Weg und blockierten den Hauptzugang, um Cuadrilla den Moment des Triumphs zu nehmen. Dennoch begann Cuadrilla noch am selben Tag mit dem Fracking.

17. Oktober: Freilassung der Fracking-Aktivisten

Zwei Tage später, am 17. Oktober, wurden die Gefangenen Richard L., Roscoe und Richard-the-Piano-Tuner nach erfolgreicher Berufung freigelassen. Die Anfechtung hat damit einen Präzedenzfall in Großbritannien geschaffen, was das Strafmaß für „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ anbelangt – und war für örtliche Widerstandsgruppen daher mit großer Erleichterung verbunden. Bei ihrer Entlassung wurden die drei Aktivisten vor den Toren des Gefängnisses von einer applaudierenden Menschenmenge in Empfang genommen.

Roscoe veröffentlichte daraufhin einen Kommentar über die Erfahrungen im Gefängnis und darüber, wie überproportional stark Menschen nicht-weißer Hautfarbe und Menschen mit psychischen Störungen oder Suchtproblemen vertreten sind. Die Fracking-Aktivisten unterstützen zudem die Gruppe #Stansted15, die derzeit wegen Terrorismusvorwürfen vor Gericht stehen, weil sie 2017 einen Abschiebeflug von einem Londoner Flughafen auf friedliche Weise aufhalten wollten.

Die Freilassung der drei Gefangenen, die kurz zuvor zu 15 und 16 Monaten Gefängnisstrafe verurteilt worden waren. Sie waren bei Protesten auf Lastwägen geklettert und hinderten diese dadurch für vier Tage daran, Material zur Fracking-Baustelle zu transportieren.

20. Oktober: Erneute Blockaden …und Erdbeben

Schon am Tag nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis kehrten die drei Aktivisten zur Preston New Road zurück, um am Ort des Geschehens vor den Toren von Cuadrilla eine Pressekonferenz zu geben. Sie riefen zudem zu einer Demonstration am folgenden Wochenende auf. Am Samstag, dem 20. Oktober, kamen etwa 1.200 Menschen, um den Eingang von Cuadrilla erneut zu blockieren.

Allein in den ersten zwei Wochen Fracking verursachte Quadrilla 30 leichte und mittelschwere Erdbeben. Schon zwei Mal mussten sie sie Arbeiten aufgrund dessen aussetzen. Wenn Cuadrilla ein Erdbeben mit einer Stärke von über 0,5 auf der Richter-Skala auslösen, müssen sie 18 Stunden lang alles abschalten. Infolge dessen drängte das Unternehmen die britische Regierung, die Vorschriften bzgl. Erdbeben aufzuheben, da Fracking ansonsten nicht wirtschaftlich sei. Die britische Regierung lehnte ab. So verlor Cuadrilla von Tag zu Tag mehr Geld und der Aktienkurs ihres Mutterkonzerns stürzte ab.

Der Widerstand verstärkt sich

In den letzten Wochen und Monaten haben sich Tausende der Bewegung um Reclaim the Power neu angeschlossen. Die Stimmung schwankt zwischen Empörung und Optimismus. Und auch in der Rhetorik der Anti-Fracking-Aktivisten an der Basis hat es einen Wandel gegeben, was den Fokus betrifft: Weg von der rein lokal beschränkten Umweltverschmutzung hin zur globalen Zerschlagung fossiler Energieformen. Die Menschen hören und lesen die Berichte von Code Rood, vom Hambacher Forst, von der ZAD und Ende Gelände und schöpfen daraus Inspiration. Im Vergleich zu wenigen Jahren hat sich damit vieles geändert.

Don‘t Frack the Climate! Die Widerstandsgeschichte der letzten Monate
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