#SavePeopleNotPlanes: Offener Brief fordert, die Bedürfnisse der Arbeiter*innen und Klimaschutz bei der Krisenbewältigung in der Flugindustrie an erste Stelle zu setzen

Wien – 6. April 2020: Am heutigen Montag rufen über 250 Organisationen in einem offenen Brief Regierungen weltweit dazu auf, die Forderungen der Luftfahrtlobby nach bedingungslosen Rettungsgeldern für die Flugindustrie zurückzuweisen. Die Politik müsse auf Kriterien zum Schutz von Arbeitsrechten und der Umwelt bestehen. Seit heute kann auch eine Online-Petition dazu unterschrieben werden.

“Die Luftfahrtindustrie wehrt sich seit Jahrzehnten gegen eine angemessene Besteuerung von Flugtickets und untergräbt mit ihren künstlich niedrigen Preisen alle Anstrengungen, die Klimakrise zu bekämpfen. Jetzt wollen Airlines, Flughäfen und Flugzeughersteller, dass massive Rettungspakete aus Steuermitteln geschnürt werden – ohne jede Gegenleistung. Es kann nicht sein, dass die Flugindustrie in guten Zeiten alle Gewinne einstreicht, während in Krisenzeiten die Steuerzahler*innen für ihre Verluste gerade stehen sollen”, so Magdalena Heuwieser von Stay Grounded. Das globale Netzwerk mit Sitz in Österreich initiierte den offenen Brief, der auch von einer Reihe von Universitätsinstituten, Gewerkschaften und Initiativen für Klimagerechtigkeit aus der ganzen Welt unterstützt wird.

In dem offenen Brief werden Regierungen dazu aufgefordert:

  1. die Bedürfnisse der Menschen an erste Stelle zu setzen und Arbeiter*innen zu helfen, anstatt Manager*innen und Aktionär*innen,
  2. einen nachhaltigen Umbau des Verkehrssektors einzuleiten, indem die Nachfrage nach Flugreisen reduziert und klimafreundliche Alternativen wie der Schienenverkehr gefördert werden, um dort klimagerechte Arbeitsplätze zu schaffen,
  3. die Steuerprivilegien der Flugindustrie abzuschaffen und neben einer Kerosinsteuer eine progressiv ansteigende Vielflieger*innenabgabe einzuführen.

Derzeit ist die Flugindustrie auch in Österreich stark von der COVID-19-Krise betroffen und fast alle Beschäftigten sind im staatlich geförderten Kurzarbeitsprogramm untergebracht. Am Fall Laudamotion wird einmal mehr deutlich, wie wenig Arbeitnehmer*innenrechte in dieser Branche zählen: Die Missachtung des Betriebsrats führte dazu, dass die Beschäftigten nicht in Kurzarbeit gehen konnten und (vorerst erfolglos) zur Kündigung angemeldet wurden.

„Fluggesellschaften und Flughäfen werden wohl einen wesentlichen Teil des 42 Milliarden Euro umfassenden Hilfspakets erhalten. Darüber wird derzeit hinter verschlossenen Türen verhandelt. Es ist inakzeptabel, dass Fluggesellschaften Milliarden an Steuergeld einfordern, aber gleichzeitig keinen fairen Steuerbeitrag leisten und grundlegende Arbeitsrechte missachten. Das Ausschütten von Steuergeld an die Flugindustrie, ‚koste es, was es wolle‘ (Bundeskanzler Kurz) und ohne jegliche sozialen und ökologischen Kriterien, zementiert den klimaschädlichen Wachstumswahn der Luftfahrt ein und benachteiligt klimafreundlichere Transportbranchen, in denen in Zukunft neue Jobs geschaffen werden müssen“, so Mira Kapfinger von System Change, not Climate Change!.

Die Luftfahrtindustrie hat in den vergangenen Jahrzehnten mit weit überdurchschnittlichen Wachstumsraten auf Kosten des Klimas massive Gewinne eingefahren. Schon heute ist der Flugverkehr inklusive der Nicht-CO2-Effekte für 5-8 % der Klimaerhitzung verantwortlich. Dieser Anteil ist gewaltig angesichts der verschwindend geringen Anzahl von Vielflieger*innen, die dafür hauptsächlich verantwortlich sind: So zeigt eine aktuelle Studie, dass die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung 75% der Transportenergie im Flugverkehr verbrauchen.

System Change, not Climate Change! ist Gründungsmitglied des globalen Netzwerks Stay Grounded, das sich für eine rasche Reduktion des Flugverkehrs und für ein gerechtes Mobilitätssystem einsetzt. Das Netzwerk mit Sitz in Wien hat über 150 Mitgliedsorganisationen weltweit.

Weitere Informationen:

Offener Brief: https://stay-grounded.org/savepeoplenotplanes
Petition: www.change.org/SavePeoplenotPlanes-Austria
Bildmaterial zur redaktionellen Verwendung bei Namensnennung: https://tinyurl.com/v56r59b

Kontakt und Rückfragehinweis:

Mira Kapfinger
presse@systemchange-not-climatechange.at
0680/1451307

Presseaussendung: 250 Initiativen starten Aufruf gegen Milliardengeschenke für die Flugindustrie
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