Wien, 30. September: Pünktlich zum Beginn der Österreichischen Raumordnungskonferenz veranstalteten Build 4 Future eine Protestkundgebung am Wiener Stephansplatz gegen den enormen Flächenverbrauch in Österreich unter dem Motto „Weniger Beton pro Person“. Ziel war die Entscheidungsträger:innen der Raumordnungskonferenz dazu zu ermutigen radikale Schritte zum Bodenschutz zu setzen. System Change, not Climate Change! unterstützte den Aktionstag mit einem Redebeitrag zu klimagerechter Flächenverteilung und zum flächenfressenden Monsterprojekt 3. Piste. 

Demorede von System Change, not Climate Change

Hallo hallo, schön dass es jetzt auch die BuildForFuture gibt! Ich bin von System Change, not Climate Change! und rede heute über die 3. Flughafenpiste Wien-Schwechat, das klimaschädlichste Megaprojekt Österreichs, das der Flughafen Wien trotz eingebrochenen Passagierzahlen langfristig weiterhin umsetzen möchte.

Bei der 3. Piste kommen viele Unsinnigkeiten zusammen. Für den Bau müssen nicht nur Landwirt:innen enteignet und ihrer Existengrundlage beraubt werden, sie zementiert buchstäblich auch die klimaschädlichste aller Mobilitätsformen ein.
Denn der globale Flugverkehr ist (vor Corona) für fünf bis 8 Prozent aller globalen Emissionen verantwortlich und das obwohl nur rund zehn Prozent aller Menschen weltweit je in einem Flieger gesessen sind. Es sind also nur wenige Vielflieger:innen meist aus dem globalen Norden, die die Klimakrise massiv anheizen und besonders Menschen aus dem Globalen Süden die schon heute die Folgen in Form von Dürren, Hitzewellen und Überschwemmungen zu tragen haben.

Für den Bau der 3. Piste werden 660 Hektar der wertvollsten landwirtschaftlichen Böden Österreichs verbraucht – 200 Hektar davon werden direkt versiegelt, das ist so viel wie acht mal die Wiener Ringstraße! Damit verbauen wir uns im wahrsten Sinne unser aller Lebensgrundlage. Nicht nur im Osten, auch in ganz Österreich wurden in den letzten 50 Jahren mehr als 300.000 Hektar verbaut, das entspricht in einer Generation der Ackerfläche Oberösterreichs. Dahinter steckt eine Raumplanung, die von kapitalistischen Interessen getrieben ist, denn Bauland ist am Markt nun mal mehr wert als Ackerland. Daran, dass das eine die Klimakrise hervorbringt und das andere Brot und Biodiversität, daran stößt sich diese Logik nicht.

Überhaupt ist es ein Wahnsinn, dass hier in Österreich in Zeiten der Klimakrise noch der Ausbau eines Flughafens geplant ist, viel eher sollten wir über einen Rückbau der 2. Piste reden! Stattdessen werden Pläne geschmiedet wie das Flugwachstum wieder angekurbelt werden kann und es werden staatliche Rettungsschirme für die Flugindustrie gespannt, während die Bahn keine klassischen Corona-Gelder bekommt und der Kunstbetrieb im Regen stehen gelassen wurde und wird.

In der EU kassierten Luftfahrtunternehmen mehr als 30 Milliarden Euro, die AUA hierzulande bekam 450 Millionen Euro an Steuergeld und Krediten, für die der Staat haftet. Die Flugindustrie lässt also wieder mal die Allgemeinheit für ihr klimaschädliches Bestehen zahlen während sie in Zeiten des Wachstums ihre Gewinne privatisiert. Dabei wäre jetzt der perfekte Zeitpunkt um die Weichen für eine umfassende Mobilitätswende zu stellen!

Wir von System Change! stellen uns gegen jegliche Flughafenausbauten, weder hier noch in Bratislava noch sonst wo und fordern stattdessen eine progressive Vielflieger:innenabgabe, eine Steuer auf Kerosin, sowie den Ausbau von leistbaren Langstrecken- und Nachtzugverbindungen, damit Kurzstreckenflüge der Vergangenheit angehören!

In der Arbeitsgruppe zu Flugverkehr haben wir aktuell auch das Projekt „Pflugfeld statt Flugfeld“ gestartet, eine Kooperation mit Bürgerinitiativen die gegen die 3. Piste kämpfen sowie einem von der Enteignung betroffenen Landwirt. Gemeinsam vertreiben wir ein Mehl, das es schon bald auf Märkten und in Food-Coops geben wird und womit ihr unseren Widerstand unterstützen könnt, sagts gern weiter!

Zu guter Letzt kann man nicht über Bodenversiegelung ohne die Autolobby und den voranschreitenden Flächenverbrauch durch neue Autobahnen und Schnellstraßen zu kritisieren. Lasst uns gemeinsam gegen jegliche neue Autostraße mobilisieren, denn diese Mobilität gehört dem 20. Jahrhundert an! Keine Linzer Westring-Autobahn, keine Stadtstraße Aspern, kein Lobautunnel. Mehr saubere Luft, mehr Platz für umwelt- und menschenfreundliche Mobilität. Kommt dafür am 23.10 zu unserem #MobilitätswendeJetzt-Aktionstag – lasst uns gemeinsam die Autolobby ausbremsen. Flyer, Sticker und mehr Infos bekommt ihr nachher noch bei mir!

System Change, not Climate Change!
System Change statt Bodenraub!

Bodenlose Frechheit – Protestaktion gegen Österreichs enormen Flächenverbrauch
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