Liebe Betroffene der Block Magna Aktion vom Freitag 31.1.2020,

Wir haben am Freitag die Ausgänge des Magna Werkes in Graz blockiert. Wir haben unsere Körper dafür eingesetzt, zu verhindern, dass LKWs beladen mit neuen Luxusautos und SUVs auf die Straße kommen. Denn in Zeiten der Klimakrise haben diese Produkte keine Zukunft mehr und deswegen muss jetzt begonnen werden, über eine Umstellung zu sprechen, die frühzeitig sichere und zukunftsfähige Jobs schafft. Uns ist bewusst, dass diese Aktion Unverständnis hervorgerufen hat und deshalb wollen wir uns mit diesem offenen Brief an Euch wenden.

Diese Aktion richtete sich nicht gegen Euch, sondern gegen die Zerstörung unser aller Zukunft durch die Konzernspitze. Denn sie zielt nur auf kurzfristigen Profit und verhindert dadurch einen dringend notwendigen Umbau von Magna. Damit gefährdet sie auch Eure Arbeitsplätze. Dass Ihr negativ von der Aktion betroffen wart, war schwer zu vermeiden, aber nicht unsere Intention. Wir wollten die Aktion so gestalten, dass sie eine große Symbolkraft hat und euch trotzdem möglichst wenig einschränkt: Wir haben nicht frühmorgens, sondern erst nach Schichtbeginn gestartet, um Euch nicht daran zu hindern zur Arbeit zu kommen. Wir haben bewusst Busse und den Betriebsarzt durchgelassen. Wir wollen nicht, dass bei Euch der Eindruck entsteht, wir wären gegen Euch.

Was wir wollen ist ein gutes Leben für alle. Für die Menschen, die hier in Graz leben und arbeiten, und unser aller Kinder. Aber auch für die Menschen in anderen Ländern, die schon jetzt viel stärker als wir die Folgen der Klimakrise spüren, z.B. durch Dürren oder Ernteausfälle und die Zerstörung ihrer Lebensgrundlage. Doch in der heutigen Welt ist kein gutes Leben für alle möglich. Große Konzerne wie Magna produzieren nicht für das Wohl von uns allen, sondern für den Profit ihrer CEOs, Aktionärinnen und Aktionäre, Managerinnen und Manager. Glaubt Ihr, dass es die Firmenspitze wirklich interessiert, wie es Euch geht und wie lange ihr Eure Arbeitsplätze habt, solange sie weiter ihre Profite macht? Dass Magna nur scheinbar „arbeitnehmer*innenfreundlich“ ist, zeigte sich erst kürzlich, als Europachef Apfalter drohte, nach Slowenien abzuwandern, wenn neue Steuern in Österreich eingeführt werden. Euren Vorgesetzten ist es egal, dass 1800 Arbeitsplätze möglicherweise gestrichen werden. Dieses Profitstreben, der Wettbewerb und die Klimakrise gefährden Eure Arbeitsplätze! Laut der International Labour Organization werden steigende Temperaturen bis 2030 weltweit zu einem Verlust von 80 Millionen Arbeitsplätzen und Wirtschaftsschäden von mehr als 2 Billionen Euro führen. Die realen Verluste werden wohl viel höher sein, denn wir steuern aktuell auf eine viel schlimmere Klimaerhitzung zu, als in der Berechnung angenommen. Wenn wir nicht sofort umfassende Maßnahmen setzen, werden klimatische Veränderungen große Teile der Welt unbewohnbar machen. Nicht wer den Status Quo blockiert, sondern wer den Status Quo erhält, handelt fahrlässig. Um dieses Szenario noch abzuwenden, muss die Wirtschaft tiefgreifend umgebaut werden. Dieser Umbau muss demokratisch gestaltet werden und darf nicht zulasten der Beschäftigten gehen.

Wir wollen nicht, dass Ihr der Willkür irgendwelcher Vorgesetzten ausgesetzt seid. Wir wollen, dass die Menschen, die die Produkte herstellen, entscheiden, was und wie produziert wird. Wir wollen, dass nicht das Streben nach “immer mehr” im Mittelpunkt steht, sondern die Frage, wie wir mit den Ressourcen, die wir haben, gut und gerecht leben können. Wir wollen, dass Eure und unsere Kinder auch in Zukunft noch eine lebenswerte Welt erleben können. Und in dieser Zukunft haben Autos, wie sie zur Zeit in der Magna hergestellt werden, keinen Platz. In dieser Welt haben Vorgesetzte, die androhen abzuwandern, weil der Gewinn woanders besser ist, keinen Platz. In dieser Welt habt aber Ihr Platz, mit Euren Fähigkeiten, mit Euren Persönlichkeiten und mit Eurem Wissen.

Das Ziel der Aktion war, Diskussionen anzustoßen. Denn obwohl bereits klar ist, dass es der Autoindustrie nicht gut geht und Arbeitsplätze gefährdet sind, ändert Magna nichts und wäre sogar bereit, den Standort zu verlagern, nur um Veränderungen aus dem Weg zu gehen. Wir finden das unverantwortlich und fordern daher, dass Magna sich auf Produkte umstellt, die mehr Zukunft haben als das Auto und dass diese Entscheidungen demokratisch getroffen werden. Organisiert euch, denn zusammen seid Ihr stark. Fordert eure Vorgesetzten auf, die eigene Profitgier und Jobsicherheit zu hinterfragen anstatt Eure Arbeitsplätze! Führen wir unsere Kämpfe zusammen, denn gemeinsam sind wir noch stärker!

Solidarische Grüße

Block Magna

Presseaussendung: Offener Brief an die Betroffenen der Block Magna Aktion
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