Die Wanderausstellung „Endlich Wachstum“ im Albert Schweitzer Haus

Vom 4.-24. Februar 2019 bot die Ausstellung „Endlich Wachstum“ im Albert-Schweitzer-Haus einen Raum für kritischen Austausch über Wirtschaftswachstum, seine Grenzen und Alternativen. Konzipiert vom Berliner Fairbindungs-Kollektiv wandert die Ausstellung seit 2017 durch verschiedene deutschsprachige Städte und ermöglicht die Auseinandersetzung mit zentralen Themen der Postwachstums-Debatte. Neben der kritischen Reflexion kolonialer Kontinuitäten und „grüner“ Wachstumsphantasien legt “Endlich Wachstum” einen Schwerpunkt auf das Kennenlernen von Alternativen hin zu einer sozial und ökologisch tragfähigen Gesellschaft. Als Bildungsgruppe von System Change, not Climate Change! luden wir die Ausstellung nach Wien ein, öffneten sie für die interessierte Öffentlichkeit, gestalteten ein vielfältiges Rahmenprogramm und luden Schulklassen zu interaktiven Workshops ein.

Wir blicken zurück auf ein ganzes Jahr Vorbereitungszeit und drei intensive Ausstellungs-Wochen voller Begegnungen, Diskussionen und Reflexion. Stimmen für eine Politik des Wachstums als auch jene dagegen kommen aus allen politischen Spektren. Mit der Ausstellung boten wir eine antikapitalistische und emanzipatorische Perspektive. Unser Anliegen war es den Fokus auf ungleiche Machtstrukturen in der derzeitigen wachstumsgetriebenen globalen Ökonomie zu lenken. Damit betrachten wir z.B. die feministische Ökonomie als zentralen Bestandteil unserer Wachstumskritik. Wir erkennen damit auch an, dass die Vision eines guten Lebens mit weniger materiellem Wohlstand derzeit vor allem für privilegierte Schichten gilt und deshalb die Forderung nach individuellem Verzicht nicht zielführend ist. Es braucht einen systemischen Wandel, der allen ein gutes Leben ohne Ausbeutung ermöglicht.

Mit unserem Rahmenprogramm haben wir diese Aspekte angesprochen. Von Diskussionen um die Rolle von Widerstand auf der einen Seite und Sorgearbeit auf der anderen Seite, über kreative Theater- und Schreibräume bis zur einer “Living Library” (in Kooperation mit dem C3) haben wir versucht, alle die wichtigen Aspekte der vielfältigen Degrowth-Debatte mit einzubeziehen. Vieles hat Platz gefunden, einiges nicht. Gern hätten wir uns auch kritisch mit den SDGs, Wachstumskritik vonseiten der neuen Rechten und Wachstumskritk und dem globalen Süden auseinandergesetzt.

Living Libarary im C3 (Fotos: Valentina Duelli), Partizipatives Theater: Wachstum im Kopf, Diskussion: Degrowth=Widerstand!, Schreibwerkstatt: Wachstumspost, Filmscreening: In unseren Händen.

Weniger gut zusammenfassen lassen sich die vielen einzelnen Ausstellungsbesuche und kleinen Begegnungen während der Öffnungszeiten. Die dort entstandenen Gespräche und die Beiträge in unserem Schreibmaschinen-Gästebuch lassen auf dankbare und interessierte Besucher*innen schließen. Besonders gefreut haben wir uns über all jene Besucher*innen, die sich vorher noch nicht mit dem Thema Postwachstum beschäftigt haben. Mehrfach erfuhren wir, dass Besucher*innen ein generelles Problembewusstsein mitbrachten, und die Ausstellung ihnen half, ihre Kritik am Wirtschaftswachstum auf eine systemische Ebene zu heben. Wir sind daher im Nachhinein froh über die niederschwellige Art der Ausstellung und die Offenheit Albert Schweitzer Hauses, und hoffen einige Menschen mit dem Thema vertraut(er) gemacht zu haben.

Während den drei Wochen kamen über 230 Besucher*innen und über 150 Schüler*innen in die Ausstellung, Foto: Jonas Peisker

In unseren Workshops für Schulklassen näherten wir uns vor allem in Gruppendiskussionen und Kleingruppenarbeit an einzelnen Exponaten den Grenzen und Alternativen des Wirtschaftswachstums. Uns war es wichtig, hier ein Bildungsangebot zu schaffen, das über Konsumkritik hinausgeht, und mit den Schüler*innen eine strukturelle Perspektive und Kritik zu entwickeln. Wir konnten an die Erfahrungen der Schüler*innen anknüpfen und einen Raum für eigene Fragen schaffen. Dabei haben wir auch selbst viel für unsere zukünftige Bildungsarbeit lernen können.

Wir sagen Danke an alle, die uns unterstützt haben! Unsere Kooperationspartner*innen und Förder*innen waren: Attac, die Dreikönigsaktion, das C3 – Centrum für Entwicklungspolitik, das Paolo Freire Zentrum, der Mattersbruger Kreis, das Theater der Unterdrückten, Südwind – Start the Change. Dem Albert Schweitzer Haus möchten wir für die großzügige Raumspende und die gelungene Zusammenarbeit danken. Unseren Medienpartner*innen waren Radio Orange, und der Augustin. Ein großes Dankeschön geht auch an alle fleißigen Betreuer*innen, Workshop-Leiter*innen, den Senior*innen Attac, Küfanys und Brotpiloten für die leckeren Buffets. Allen Menschen, die hier und dort eine Hand für uns frei hatten, die beim Auf- und Abbau geholfen haben, Fotos gemacht, Teller gewaschen, mitgedacht und den Raum mitgestaltet haben. Unseren Freund*innen und Mitbewohner*innen, die uns in dieser intensiven Zeit mit Reproduktionsarbeiten entlastet haben. Danke!

Wir freuen uns auf viele weitere tolle Bildungsprojekte. Ein wichtiger Schritt im Zuge der Ausstellungs-Organisation war die interne Umstrukturierung der Bildungsgruppe von System Change in das radix – kollektiv für transformative politische bildung. Unter diesem Namen werden wir in Zukunft weitere Bildungsformate entwickeln. Wir freuen uns auf die zukünftige enge Zusammenarbeit mit System Change und auf die thematische Anküpftung an das Degrowth Thema bei der Degrowth Konferenz 2020 in Wien.

Die Ausstellung in Zahlen

Beteiligte Personen: 64
Besucher*innen gesamt: 380
Veranstaltungen: 17
Arbeitszeit Vorbereitung (geschätzt): 550 Stunden
Verlorene Löffel: 35
Vergessene Socken: 3
Geklaute Bücher: 1

Medienstimmen zur Ausstellung

Mosaik Blog

Biorama

Gschichtldruckerei

Radio Orange

Paolo Freire Zentrum


Die Wanderausstellung „Endlich Wachstum“ in Wien. Ein Rückblick.
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